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#1

Ein kleines Märchen über das Ende der Einsamkeit

in Märchen, Sagen, Fabeln 22.08.2013 20:03
von Hedda • 10 Beiträge

Es lebte einst ein König, noch jung an Jahren, der als Nachfolger und im Sinnes seines verstorbenen Vaters sein Reich gewissenhaft regierte und viel Gutes tat. Er war mit seinem Dasein recht zufrieden. Doch von Zeit zu Zeit verfiel er in eine seltsame Schwermut, kein Arzt konnte helfen, bis ein schlauer junge Mann dieser Fakultät aus eigener Erfahrung einen Verdacht hegte: Dem König fehlte gewiss eine Frau an seiner Seite, eine Mutter für kleine Prinzessinnen und Prinzen, kurz ihm fehlte eine Familie. Der junge Arzt trug es dem König vor, der froh war, den Grund seiner Trauer erkannt zu haben. Er machte sich auf die Suche, doch an keiner der blaublütigen Damen des Reiches, die seiner Stellung entsprochen hätten, fand er Gefallen, fühlte keinerlei Zuneigung, sondern empfand sie aus verschiedenen Gründen als Zumutung. So pflegte er weiterhin seinen Traum von der Erfüllung seiner Sehnsucht.
Eines Tages sattelte er wieder einmal sein treues Pferd und ritt ziellos durch Wald und Feld; ringsum blühte und grünte die Natur, doch in seinem Herzen wohnte graue Schwermut. In diese Gedanken versunken, schreckte er plötzlich auf durch den Flügelschlag eines Vogels - schon öfters war die schöne weiße Taube vor ihm aufgetaucht, doch er hatte sie in seiner Trauer nur eines flüchtigen Blickes gewürdigt. Doch diesmal ließ sie nicht locker, gurrte und flatterte lockend um ihn herum, flog ein Stück voraus und kam wieder zurück, als wolle sie ihn zwingen, ihr zu folgen. Mehr unbewusst als willig folgte er dem Tier und wurde schließlich auch ein wenig neugierig.
Ein kleines Häuschen tauchte nach geraumer Zeit vor ihnen auf, davor ein schmuckes Gärtchen und ein fröhlich plätschernder Brunnen, und dem jungen König drängte sich eine plötzliche Fröhlichkeit auf beim Anblick dieses Idylls - er kannte bis jetzt nur die eleganten Gärten seines prachtvollen Schlosses.
Ein heller Ruf erklang:"Bello, wo bist Du Schlingel?" Und schon kam ein Hündchen angesprungen, geradewegs in die Arme eines lieblichen Geschöpfes, dessen Schönheit dem jungen Mann augenblicklich die Sprache verschlug (wäre das Märchen in modernerer Sprache geschrieben, hieße es: "Ihm blieb die Spucke weg", aber damit auch die Romantik!) "Oh Himmel, wer seid Ihr, schönes Kind, bin ich in einem Märchen?" Aber nein, ich bin ein ganz normales Mädchen, gewiss kennt Ihr schönere Prinzessinnen in feinen Kleidern! Seht nur meine Finger, wie häßlich sie sind vom Drehen der Fäden, denn ich bin Maja, die Weberin, habe das Handwerk von meiner Großmutter erlernt und lebe und arbeite nun mit ihr zusammen, und das macht viel Spaß!" Artig knickste die Maid vor dem König, den sie wohl erkannt hatte, und der ihr sehr gefiel. Aber daran durfte sie nicht denken, er war der König und sie die bescheidene Handwerkerin.
Aber der König verwandte keine Gedanken an die Schicklichkeit dieser Begegnung, denn er fühlte, dass dieses Mädchen sein Schicksal sein sollte, sie würde ihn aus seiner dunklen Schwermut ins helle Licht der Liebe holen. Er stieg vom Pferd, neigte sich vor dem Mädchen, nahm ihre Hände und küsste jeden einzelnen Finger ihrer kleinen Hände. "Sie sind schön, diese Hände, denn Arbeit macht nicht häßlich, die Prinzessinnen, die ich kenne sind hochnäsig, zickig, wissen nicht, was sie den ganzen Tag treiben sollen. Aber Du bist das schönste Prinzesschen, das die ich je gesehen habe, denn Du bist die Prinzessin meines Herzens, das fühle ich ohne jeden Zweifel! Komm mit mir, ich lasse Dich nicht mehr los! Und Deine Großmutter wird bei uns einen schönen Lebensabend verbringen, und Dein Webstuhl kommt mit, weil Du Dein Handwerk so gerne betreibst und es nicht missen sollst!"
Und so kam es, das eine schöne Handwerkerin und ein feiner König ohne Standesdünkel, nur seinem Herzen folgend, bis an ihr Lebensende glücklich waren.


zuletzt bearbeitet 22.08.2013 20:11 | nach oben springen

#2

RE: Ein kleines Märchen über das Ende der Einsamkeit

in Märchen, Sagen, Fabeln 23.08.2013 11:33
von CaroSusi • 79 Beiträge

Liebe Hedda,

was für ein schönes Märchen, da geht einem das Herz auf! Und deine Bemerkung über die Spuke gibt noch das gute Quentchen Humor bei

liebe Grüße

Caro

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#3

RE: Ein kleines Märchen über das Ende der Einsamkeit

in Märchen, Sagen, Fabeln 23.08.2013 11:49
von Hedda • 10 Beiträge

Liebe Caro, ich versuche jetzt zum dritten Mal eine mail an Dich zu schicken; vielleicht klappt es jetzt - bin mit der Materie noch nicht so vertraut, aber es kommt! Ich bin also aus der Versenkung - sprich: Reise - wieder aufgetaucht und habe vor, am nächsten Samstag, dem 31.08., bei Dir aufzutauchen - okay?
Dake für die Beurteilung so was freut einen denn auch!

Lieb Grüße von Hedda

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